Der Konsumentenbund in Deutschland stellt zwei Studien vor, die sich mit dem Risiko bei alternativer Krebstherapie befassen.

Eine Krebsdiagnose verursacht neben anderen Problemen auch viel Zweifel und Unsicherheit, was die Behandlungsoptionen angeht. Die Patientinnen und Patienten  folgen dabei nicht immer dem Rat der onkologischen Fachärzte, sondern greifen oft auch auf sogenannte „Alternativmedizin“ zurück.

Alternative Krebstherapie oder onkologische Behandlung

Eine Studie ging der Frage nach, wie es Patienten, die nur nach wissenschaftlichen Methoden behandelt wurden, im Vergleich zu solchen geht, die ausschließlich auf „Alternativmedizin“ gesetzt haben.

Wissenschaftler der Yale-University in den USA haben dazu 2017 eine vielbeachtete Studie durchgeführt.[1]

Auf der Basis des US-Krebsregisters wurden dabei zwei Vergleichsgruppen von alternativ und auf wissenschaftlicher Grundlage behandelten Patienten zusammengestellt. Die Patienten litten an den am häufigsten vorkommenden Krebsarten (Brustkrebs, Prostatakrebs, Lungenkrebs oder Darmkrebs), hatten jedoch noch keine Metastasen gebildet. Die Überlebensraten der beiden Gruppen wurden über einen Zeitraum von sieben Jahren verglichen.

Das Resultat ist eindeutig: Zu jedem Zeitpunkt war die Anzahl der Todesfälle unter der Alternativtherapie etwa doppelt so hochwie bei den konventionell-wissenschaftlich behandelten Menschen. Nach sieben Jahren waren unter der Alternativtherapie etwa die Hälfte der Patienten tot, unter der konventionell-wissenschaftlichen Therapie nur gut ein Viertel. Je nach Krebsart war die Differenz noch deutlicher ausgeprägt. Und diese Tendenz wird sich ja in die Zukunft fortsetzen – rein statistisch gesehen, bis zu dem Punkt, wo alle alternativ behandelten Patienten verstorben sind und etwa die Hälfte der wissenschaftlich behandelten noch am Leben ist.

Diese Studie trennt klar zwischen alternativ behandelten und wissenschaftlich behandelten Krebspatienten.

Interessant ist darüber hinaus natürlich die Frage, ob solche Unterschiede auch zu beobachten sind zwischen einer rein medizinisch-wissenschaftsbasierten Therapiegruppe und einer Therapiegruppe, deren medizinisch-wissenschaftsbasierte Therapie durch alternative Konzepte ergänzt wurden.

Das Yale-Team ist dieser Frage in einer Folgestudie nachgegangen.[2]Dabei zeigte sich, dass auch in dieser Konstellation Nachteile bei den Patienten, die sich zusätzlich komplementär behandeln ließen, deutlich zutage treten. Das führen die Wissenschaftler darauf zurück, dass bei dieser Gruppe Therapieverzögerungen und -verweigerungen bei den konventionell-wissenschaftlichen Behandlungen nicht selten waren.

Eine Entscheidung für die Alternativmedizin bei einer bestehenden Krebsdiagnose, die nach wissenschaftlicher Einschätzung als heilbar gilt, könnte sich also als ein großer Fehler erweisen – und das in jeder Konstellation, ob ausschließlich oder komplementär mit Alternativmedizin behandelt.

Quelle:

Studien:

[1]Johnson SB, Park HS, Gross CP, Yu JB: Use on Alternative Medicine for Cancer and its Impact on Survival; JNCI J Natl Cancer Inst (2018) 110(1): djx145, doi: 10.1093/jnci/djx145

[2]Skyler B. Johnson, MD; Henry S. Park, MD, MPH; Cary P. Gross, MD; et al; Complementary Medicine, Refusal of Conventional Cancer Therapy, and Survival Among Patients With Curable Cancers;  JAMA Oncol. Published online July 19, 2018. doi:10.1001/jamaoncol.2018.2487

Kommentar & Ergänzung:

Komplementärmedizin und Alternativmedizin lehnen sich über weite Strecken in der «Alternativen Krebstherapie» mit Versprechungen weit zum Fenster hinaus. Sehr gut möglich ist aber zum Beispiel die Linderung von Beschwerden der Krebstherapien durch Heilpflanzen-Anwendungen. Es geht dann um die Verbesserung der Lebensqualität, nicht um die Bekämpfung des Tumors. Falls Sie sich für dieses Thema interessieren, biete ich dazu zweimal jährlich ein Tagesseminar an:

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