Die tropische Pflanze Desmodium adscendens wird Internetshops und in manchen Drogerien als «Leberpflanze» propagiert. Kann Desmodium diese Versprechen einlösen?

Desmodium ist ursprünglich in Afrika und Südamerika heimisch. Werbeaussagen behaupten, dass die alten Medizinmänner in Afrika diese Pflanze gebrauchten, um den Körper zu entgiften. Das sagt aber noch nicht viel aus, denn erstens hat Tradition nicht immer Recht:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Zweites ist «Entgiftung» – heute unter dem Begriff «Detox» – eine viel zu diffuse und unplausible Vorstellung ohne fundierte Basis:

Detox – fragwürdiger Trend mit Entgiftungskuren

Also wie steht es nun mit der Wirkung von Desmodium?

Das Portal Medizin-transparent hat zu dieser Frage umfangreich recherchiert.

Zwar sind die Fachleute dabei auf einzelne Berichte zu Experimenten mit Versuchstieren oder mit Zellen im Reagenzglas gestoßen. Aus solchen Laborversuchen können sich durchaus interessante Hinweise ergeben.

Direkte Schlüsse auf eine Wirkung beim Menschen lassen sich daraus jedoch nicht ziehen. Dazu sind aussagekräftige Studien mit betroffenen Personen nötig.

Solche Studien zur Wirksamkeit von Desmodium hat Medizin-transparent aber nicht gefunden – weder zum Thema Lebergesundheit noch für einen anderen Anwendungsbereich (Quelle: https://www.medizin-transparent.at/desmodium)

Das ist sehr mager. Denn mit Versprechungen lehnen sich die Verkäufer weit zum Fenster hinaus. Angeblich soll Desmodium die Leber vor Schäden durch Alkohol und Chemikalien schützen. Selbst bei einer Hepatitis (Leberentzündung) soll die Pflanze helfen.

Weil die Desmodium-Präparate als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden, müssen dafür keine Wirksamkeitsbelege vorgelegt werden.

Meinem Eindruck nach nehmen viele Menschen pflanzliche «Lebermittel», die entweder nichts taugen oder die sie nicht brauchen.

Zur Gesunderhaltung der Leber braucht es keine Heilpflanzen. Dafür ist ein leberfreundlicher Lebenstil am wirksamsten: kein oder wenig Alkohol, Übergewicht meiden, leberbelastende Medikamente nur wenn nötig und nur solange wie nötig.

Vor allem ist die immer wieder propagierte «Leberentgiftung» fragwürdig:

Leberentgiftung unmöglich

Liegt wirklich eine Lebererkrankung vor, kann in manchen Fällen eine Unterstützung der Behandlung durch Phytopharmaka sinnvoll sein. Bei Phytopharmaka handelt es sich um Arzneimittel. Im Vergleich zu den Nahrungsergänzungsmitteln sind sie in der Regel besser erforscht und strenger kontrolliert, was Wirksamkeit und Sicherheit anbelangt. Für die unterstützende Behandlung von Lebererkrankungen gibt es Phytopharmaka auf der Basis von Mariendistel-Extrakt. Sie sollten 200 – 400 mg des Wirkstoffs Silymarin als Tagesdosis enthalten. Das ist nur mit reinen Silymarin-Präparaten oder mit Mariendistel-Extrakt plus Silymarin möglich. Diese Tagesdosis ist nicht erreichbar mit Mariendisteltee oder Mariendisteltinktur.

Wer sich vertieftes Wissen über Wirkstoffe und Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.