Edelsteine, Pflanzen, Bücher, Seminare, Räucherstäbchen, Kraftplätze….alles wird mit besonderer Bedeutung aufgeladen und dann 5mal mehr und 5mal teurer verkauft. Eine Pflanzentinktur beispielsweise, die als “wesenhaft” propagiert wird, verkauft sich auch ganz wesentlich besser – und teurer. Ein Ausdruck wie “wesenhaft” muss gar nichts aussagen, wenn er nur bedeutungsvoll tönt. Hohle Begriffe eignen sich viel besser dafür, dass jeder Mensch sie mit seinen eigenen Vorstellungen füllen kann. So ist dann scheinbar allen gedient – den Verkäufern des Produktes und den verzückten Konsumentinnen.
Dazu könnte man natürlich sagen: Wer überflüssiges Geld hat, soll es halt ausgeben. Das belebt schliesslich die Wirtschaft und der Esoterik-Boom ist ja inzwischen eine sehr umsatzstarke Branche – der es aber natürlich nie um‘s Geld geht, sondern um das Heil der Menschheit.
Wo kommen wir jedoch hin, wenn nur noch naiv geglaubt wird, was offenbar unwiderstehlichen Bedürfnissen nach dem Wunderbaren entgegen kommt und zur Weltflucht verhilft? – Wo kommen wir hin, wenn Behauptungen unhinterfragt übernommen und missionarisch weitergegeben werden, wie das in vielen naturheilkundlichen Ausbildungen geschieht? Wenn Begründungen und Argumente weder verlangt noch geboten werden?
Nähern wir uns dem Punkt, den Hans A. Pestalozzi als “sanfte Verblödung” beschrieben hat? – Sind Leute, die jeden Quark glauben, überhaupt demokratiefähig? Oder werden sie auch im politischen Bereich blind jedem Führer nachrennen, der Wunderbares verspricht? Die kritische Auseinandersetzung gehört zum Kern der Demokratie, weil so die Chance besteht, dass sich die besseren Lösungen durchsetzen. Brauchen wir das nicht mehr?
Kritische Auseinandersetzung ist jedenfalls eine wichtige Basis für Lern- und Entwicklungsprozesse. Sie hilft bei der Überwindung individueller blinder Flecken und eliminiert manchen Irrtum.
Wem dient es, wenn grosse Bevölkerungsteile vor allem im blinden Glauben “geschult” werden und nicht einmal mehr auf die Idee kommen, dass man auch kritische Fragen stellen könnte angesichts von grossartigen Behauptungen?
Und wie steht es damit im Bereich von Gesundheit und Krankheit? Haben wir nicht die Verpflichtung, genau und kritisch zu prüfen, was wir kranken Menschen als Heilmittel und Therapie empfehlen oder Lernenden weitergeben?
Meiner Meinung nach geht es hier um eine unabdingbare ethische Verpflichtung. Nach mehr als 25 Jahren Erfahrung im Bereich der Naturheilkunde kann ich aber nur sagen, dass kritisches Prüfen hier die seltene Ausnahme ist – sowohl in der therapeutischen Praxis als auch in Seminaren und Ausbildungen. Es braucht in der Naturheilkunde meiner Ansicht nach viel mehr (selbst)kritische Prüfung und weniger wundergläubiges esoterisches Gesäusel. Nur so lässt sich die Qualität in der Naturheilkunde verbessern und damit auch ihre Stellung in der Gesellschaft.

Ein weiterer Beitrag zu diesem Thema:
Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Seminar für Integrative Phytotherapie, Winterthur
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
Auf www.phytotherapie-seminare.ch finden Sie Informationen über Ausbildungen, Kurse, Exkursionen zum Thema Phytotherapie / Pflanzenheilkunde, notabene geleitet mit viel Engagement und Freude an den Heilpflanzen, aber ohne esoterische Verzückung…..

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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