Gegen Sportverletzungen setzen viele Menschen auf Verfahren der Alternativmedizin. Im „Stern“ kommentiert Prof. Edzard Ernst die bekanntesten Methoden und Naturheilmittel. Er leitet die Abteilung für Komplementärmedizin an der Universität Exeter.

Zitat: „Bei jeder Art Trauma greift der Homöopathie-versierte Patient fast automatisch nach seinem Arnika. Dieses homöopathische Mittel ist nicht nur populär, es ist auch dasjenige unter allen homöopathischen Arzneien, das am häufigsten untersucht wurde. Die Ergebnisse dieser Studien sind jedoch ernüchternd: Die zahlreichen Versuche, einen Wirksamkeitsnachweis zu erstellen, sind fehlgeschlagen. Die Datenlage ist ziemlich eindeutig: Homöopathisches Arnika ist ein Placebo.“

Damit kontrastieren die zahlreichen Erfolgsmeldungen mit Arnika-Globuli bei Sportverletzungen. Die Begründung „Placebo-Effekt“ ist dafür nicht ausreichend. Zentral für diesen Widerspruch ist meines Erachtens, dass bei akuten Sportverletzungen Schmerzen und Schwellungen auch im natürlichen Verlauf oft rasch zurückgehen und diese Besserung irrtümlich den Arnika-Globuli zugeschrieben wird.

Mit anderen Worten: Die Erfolgsmeldungen basieren auf einem „post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“. Dieser besagt: Was vorher stattfand ist der Grund für das, was darauf folgt. Ich habe Schmerzen, ich nehme eine Pille, die Schmerzen gehen weg – also hat die Pille geholfen. Das kann stimmen, muss aber nicht stimmen.

Das Komplexe an der Medizin ist nämlich, dass es eben nicht so leicht zu sagen ist, ob ein bestimmtes Medikament oder Therapieverfahren, oder andere veränderte Rahmenbedingungen eine Zustandsänderung bewirkt haben. Zahlreiche Beschwerden bessern auch rasch dank unserer Selbstheilungskräfte. Aus diesem Grund wird in langwierigen und teuren Studien versucht, an möglichst zahlreichen Patienten unter möglichst gleichen Rahmenbedingungen zu testen, ob bei einem bestimmten Medikament in der Regel eine bestimmte Wirkung auftritt, oder nicht.

Zu ergänzen wäre hier noch, dass Edzard Ernst sich ausschliesslich auf Arnika in homöopathischer Form  bezieht. Erkennbar sind diese Produkte an den Verdünnungsstufen, die dem Namen “Arnica” folgen. Also zum Beispiel Arnica D6, Arnica C30, Arnica C200.

Arnika gibt es aber auch in unverdünnter, phytotherapeutischer Form, zum Beispiel als Arnikatinktur, Arnikagel oder Arnikasalbe. Sie werden ebenfalls bei Verstauchungen, Zerrungen, Gelenkschmerzen und Blutergüssen eingesetzt. Für einen Teil dieser phytotherapeutischen Heilpflanzen-Präparate gibt es positive Studien.

Zitat Edzard Ernst:

„Etwas positiver stellt sich die Situation für Phytotherapeutika dar. Insbesondere liegen Studien vor, die zeigen, dass Beinwell (Symphytum officinale) bei Sprunggelenksverletzungen effektiv ist. Der Schmerz, die Schwellung und die Unbeweglichkeit werden durch dieses Mittel besser als mit Placebo und mindestens ebenso gut wie mit einer herkömmlichen Therapie beeinflusst. Da Symphytum toxisch ist, darf es jedoch nur äußerlich als Salbe oder Gel aufgetragen werden.“

Beinwell wird seit einigen Jahren intensiv untersucht.

Siehe auch:

Beinwell: Rasche Wirkung gegen Rückenschmerzen

Beinwellsalbe lindert Verspannung in Schulter und Nacken

Voltaren-Gel versus Beinwellsalb

Sprunggelenksverletzung: Beinwellwurzel wirksamer als Diclofenac

Allerdings gibt es grosse Qualitätsunterschiede bei den Beinwellsalben.

Beinwell enthält Pyrrolizidinalkaloide und deshalb ist der Hinweis, ihn nur äusserlich zu verwenden, berechtigt. Ich würde noch anfügen: Nur auf intakter Haut.

Beinwell gehört zu den wichtigen Heilpflanzen der Phytotherapie und wird zum Beispiel bei Verstauchungen, Quetschungen, Zerrungen, Sehnenscheidenentzündungen, Knochenhautentzündungen, Gelenkschmerzen und gegen Bluterguss (Hämatom) eingesetzt.

Phytotherapie und die Anwendung von Beinwell bei den erwähnten Indikationen zählt allerdings meines Erachtens nicht zur Alternativmedizin, obwohl der Text von Edzard Ernst so betitelt ist. Ich sehe nicht einmal überzeugende Argumente dafür, dass Phytotherapie zur Komplementärmedizin gehört.

Siehe dazu:

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Phytotherapie gehört zu Naturheilkunde und die ist ein – allerdings eher randständiger – Teil der Medizin.

Siehe dazu:

Naturheilkunde – was ist das?

Quelle:

http://www.stern.de/gesundheit/ratgeber-alternativmedizin-was-hilft-bei-sportverletzungen-1640084.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch