Nehmen Blattläuse den Atem eines Säugetieres wahr, lassen sie sich blitzschnell zu Boden fallen.

Blattläuse haben offenbar eine effiziente Überlebensstrategie entwickelt, damit sie von tierischen Vegetariern nicht mitgefressen werden. Sobald sie Wärme und Feuchtigkeit durch den Atem eines Säugetieres spüren, lassen sich von der Pflanze herunter fallen. Moshe Gish und seine Kollegen von der University of Haifa in Israel untersuchten, wie exakt Blattläuse diese Gefahr einschätzen können und wie effektiv ihr Fluchtreflex ist.

Nahrung und Schutz suchende Insekten auf Pflanzen werden häufig von pflanzenfressenden Säugetieren unbeabsichtigt mitgefressen. Gish und seine Kollegen erforschten, wie die Blattlaus Uroleucon sonchi L. mit diesem Risiko umgeht – das hungrige Säugetier war in diesem Versuch eine Ziege. Untersucht wurde auch, inwieweit das Fluchtverhalten der Blattläuse von Umweltbedingungen beeinflusst wird.

Die Forscher bestückten 16 Gänsedistelpflanzen mit Blattläusen aus wilden Populationen. Dann ließen sie eine ausgewachsene Hausziege eine Zeit lang an den Gänsedisteln knabbern. Zuvor hatten sie die Blattläuse auf jeder Gänsedistel gezählt. Nach dem ‘Fressangriff’ wurde gezählt, wie viele Blattläusen es geschafft hatten, sich auf den Boden zu flüchten. In einem weiteren Versuch hauchte einer der Forscher die Pflanzen sanft an, um den Atem pflanzenfressender Säugetiere nach zu ahmen. Erneut wurden dann die Blattläuse gezählt, die sich hatten fallen lassen.

Flucht durch Sturz in die Tiefe

In diesen Experimenten zeigte sich, dass die meisten Blattläuse der Kolonie die Aufnahme der Pflanze durch die Ziege überlebt hatten: 76 Prozent fanden sich unversehrt auf dem Boden oder in den Töpfen wieder. Auch wenn die Blattläuse dem Atem des Forschers ausgesetzt waren, ließen sie sich sofort fallen. Zusätzliche Untersuchungen im Labor zeigten, dass sich Blattläuse in Sicherheit bringen, sobald sie die Mischung aus Wärme und Feuchtigkeit aus dem Atem eines Pflanzenfressers wahrnehmen. Sie lassen sich dann blitzartig reihenweise von der Pflanze fallen. In weiteren Versuchen konnten Gish und sein Team auch zeigen, dass die Fähigkeit der Blattläuse, den Atem eines Pflanzenfressers wahrzunehmen, und damit ihre Bereitschaft, sich fallen zu lassen, mit steigenden Temperaturen sinkt.

Die Forscher untersuchten auch die Fähigkeit der Blattlaus, nach dem freien Fall alternative Wirtspflanzen zu finden. 74 Prozent der Blattläuse fanden tatsächlich einen neuen Wirt: Sie näherten sich systematisch den Stämmen von Nachbarpflanzen, was vermuten lässt, dass zumindestens die Blattlausart Uroleucon sonchi den freien Fall gut übersteht.

Gish und sein Team kommen zum Schluss: “Unsere Ergebnisse machen deutlich: Die Blattlaus U. sonchi verfügt über einen Gefahrenwahrnehmungsmechanismus und ein effizientes Fluchtverhalten – beides rettet sie vor dem Gefressenwerden durch pflanzenfressende Säugetiere. Der Atem des Säugetieres scheint bei diesem Verteidigungsmechanismus die Schlüsselrolle zu spielen – er ist ein sicherer Indikator für eine sich nähernde Schnauze.”

Quellen:

http://derstandard.at/1308681075746/Effiziente-Taktik-Wie-Blattlaeuse-sich-vor-Pflanzenfressern-schuetzen

http://www.springerlink.com/content/v5n48574156800v5/

Kommentar & Ergänzung:

Bahnt sich da eine neue biologische Blattlausbekämpfungsmethode an durch engagiertes Anhauchen….? Oder funktioniert das nur bei Wissenschaftlern und Hausziegen?

Im Ernst:  Es erstaunt immer wieder, welch hoch entwickelte und differenzierte Fähigkeiten Pflanzen und Tiere entwickeln, um ihr Überleben zu sichern.

So ist es beispielsweise auch gut belegt, dass Heilpflanzen ihre Wirkstoffe entwickelt haben, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Das ist allerdings eine ziemlich nüchterne Erklärung, die uns Menschen nicht gerade eine tolle Stellung zuschreibt in diesem Geschehen. Emotional viel ansprechender sind daher Vorstellungen, wie sie zum Beispiel Edward Bach vertrat, der Begründer der Bach-Blütentherapie. Er war davon überzeugt, dass die von ihm ausgewählten 38 Pflanzen das Bedürfnis (!) hätten, uns zu heilen. Eine schöne Vorstellung, dass es in der Natur 38 Helfer gibt, die sich um uns kümmern und uns Gutes tun wollen. Hier steht der Mensch im Zentrum pflanzlicher Zuwendung. Eine wohltuende Vorstellung offenbar, aber auch ziemlich unbescheiden.

Edward Bach war auch der Ansicht, dass es neben seinen Bachblüten-Pflanzen keine Heilmittel gibt und dass man mit ihnen alle Krankheiten heilen kann, sofern der Patient gesund werden will….

Eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Naturverständnis, dem Menschbild und dem Gesundheits- und Krankheitsverständnis von Edward Bach finden Sie im Kurs:

„Die Heilkräfte der Pflanzen im Wandel der Zeit“.

Wenn Sie mehr über Pflanzen und Tieren und ihre faszinierenden „Beziehungsgeschichten“ erfahren wollen, empfehle ich Ihnen die Natur-Seminare oder auch die Heilpflanzenexkursionen und Alpenblumenkurse.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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