Ginkgo biloba zählt zu den am intensivsten untersuchten Heilpflanzen. Extrakte aus seinen Blättern werden als Medikamente gegen Demenz, Gedächtnisstörungen, Schwindel oder Ohrgeräusche (Tinnitus) angewendet. Ginkgo-Extrakte steigern nachweislich die Durchblutung. Steigt dadurch aber nicht auch das Risiko von Blutungen? Eine kürzlich veröffentlichte Meta-Analyse konnte diese Sorge ausräumen.

Die Befürchtung, nach Einnahme von Ginkgo-Extrakten komme es zu einer Reduktion der Blutgerinnung und damit zu einer verstärkten Blutungsneigung, ist wiederholt geäußert worden. Diplom-Pharmakologin Andrea J. Kellermann und Dr. Charlotte Kloft von der Universität Halle- Wittenberg sichteten darum für eine Meta-Analyse zunächst 296 potentiell relevante Studien der internationalen Fachliteratur in englischer, französischer und deutscher Sprache. Nach dem Ausschluss von nicht den strengen Vorgaben entsprechenden Veröffentlichungen wurden die Daten von 18 Studien mit insgesamt 1.985 Erwachsenen (darunter 53 Prozent Frauen) ausgewertet. Für diese weltweit erste Meta-Analyse zum Thema Durchblutung und Gerinnung unter Ginkgo-Einnahme wurden alle verfügbaren Parameter von Blutfluss wie Fließverhalten (Viskosität), Plättchenaggregation, Fibrinogen-Konzentration usw. herangezogen.

Das Resultat: Es konnte kein Zusammenhang zwischen dem bewährten Phytopharmakon – dem Ginkgo-biloba-Extrakt – und abnormalen Blutungen gefunden werden (Pharmacotherapy 2011; 31(5):490-502). Die in den Studien untersuchten standardisierten Ginkgo-Extrakte beeinflussen zwar signifikant und klinisch relevant positiv die Durchblutung, führen aber nicht zu einer verstärkten Blutungsneigung. In keiner der analysierten Studien fand sich ein Hinweis auf ein gesteigertes Blutungsrisiko.

Die Hallenser Wissenschaftlerinnen betonen allerdings mit Nachdruck: Das Resultat ihrer Meta-Analyse gilt ausschliesslich für die Einnahme von standardisierten Ginkgo-Extrakten, die in klinischen Studien geprüft wurden. Es lässt sich keineswegs auch auf andere Ginkgo-haltigeProdukte wie Ginkgotees, nicht standardisierte Zubereitungen oder Nahrungsergänzungsmittel übertragen. Deren pharmakologisch aktive und potentiell toxische Inhaltsstoffe können nämlich von den wissenschaftlich erforschten und standardisierten Arzneimittelextrakten deutlich abweichen.

Quelle:

http://www.phytotherapie-komitee.de/News/KFN_08-11.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Erfreulich, dass offenbar nun ein erhöhtes Blutungsrisiko während einer Therapie mit Ginkgo-biloba-Extrakt ausgeschlossen werden kann.

Das gilt aber – wie im Beitrag erwähnt – nur für Ginkgo-Extrakte, nicht für Ginkgotee und wohl auch nicht für Ginkgotinktur. Bei der Herstellung von Ginkgo-Extrakt werden unerwünschte toxische Inhaltsstoffe entfernt, was beim Ginkgotee und bei der Ginkgotinktur  unterbleibt. Es gibt aber auch keine konkreten Hinweise dafür, Ginkgotee und Ginkgotinktur als gefährlich einzuschätzen. Da die Wirksamkeit jedoch nur für Ginkgo–Extrakte belegt ist, sind diese zur Behandlung von Demenz im Frühstadium sowieso vorzuziehen.

Siehe dazu:

Ginkgotee nicht ohne Risiko

Wünschenswert wäre gewesen, wenn der Bericht detaillierter die erwähnten positiven Wirkungen von Gingko-biloba-Extrakten auf die Durchblutung dargestellt hätte.

Zur Wirkung von Ginkgo-Extrakten:

Ginkgo lindert Begleitsymptome bei Demenz

Ginkgo-Studie soll verbessertes Denkvermögen zeigen

Metastudie zeigt: Alzheimer-Kranke können von Ginkgo-Extrakt profitieren

Ginkgo-Studie findet keine vorbeugende Wirkung gegen Demenz

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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