Der neuste Gag in der esoterischen Pflanzenheilkunde sind „energetisierte Heilpflanzen“.

Heilpflanzen, so wie sie die Natur wachsen lässt, reichen also offenbar nicht mehr. Heilpflanzen müssen mit allerlei Brimborium „energetisiert“ werden. Genauso wie normales Trinkwasser den Ansprüchen mancher Menschen genügt. „Energetisiertes“ oder „belebtes“ Wasser muss es unbedingt sein. Manchmal scheint mir wirklich, dass wir ein ziemlich dekadente, verwöhnte und übersatte Gesellschaft sind. Ich reise oft in China – auch in sehr ländlichen und armen Gebieten. Ich habe dort noch niemand getroffen mit dem Bedürfnis, Heilpflanzen oder Trinkwasser zu energetisieren. Solche Bedürfnisse entwickeln offenbar nur Leute, die sonst schon viel mehr haben, als sie brauchen können.

Das alt-ehrwürdige Wort „Energie“ möchte ich allerdings in Schutz nehmen. Es kann schliesslich nichts  dafür, wenn es für alles Mögliche missbraucht wird.

„Energie“ stammt vom griechischen Wort „energeia“ ab und bedeutet etwa so viel wie „Am-Werk-sein-der-Dinge“, oder schlicht „Wirksamkeit“. Viel sagt es also nicht gerade aus, wenn Heilpflanzen „energetisiert“ werden.  Aber sie lassen sich jedenfalls einiges teurer verkaufen.

Warum müssen selbst Heilpflanzen derart mit magischer Bedeutung aufgeladen werden?

Warum reicht die schlichte Begegnung mit dem, was da ist, nicht aus?

Werden da nicht ganz einfach Heilpflanzen für eigene Bedürfnisse „missbraucht“?

Es ist meines Erachtens eine verlogene Sprache, wenn solch wohltönende, aber nichts sagende Schlagworte wie „Energetisierte Heilpflanzen“ verwendet werden.

Fragen Sie wo immer möglich genau nach, wie diese Aussagen gemeint sind, wenn Sie mit derart aufgeblähten Worthülsen eingedeckt werden.

Es scheint mir aus politischen Gründen problematisch, sich an solche Leerformeln zu gewöhnen.

Mal ganz abgesehen davon, dass Patientinnen und Patienten hier ausgenommen und getäuscht werden mit Versprechungen, die meines Erachtens reine Fantasieprodukte sind. Es sind ethische Fragen, die sich da stellen.

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