Das empfiehlt die österreichische Zeitung „Der Standard“ in einem Beitrag zur Wirkung der Frühlingskräuter, der viele Fragen aufwirft. Hier ein paar Zitate mit Kommentar von mir:

„Brennnesselblätter lindern rheumatische Schmerzen,…“

Das ist möglich, aber es braucht dazu ziemlich hohe Dosen, gemäss einer kleinen Studie 50g Brennnesselmus pro Tag oder Kapseln mit Brennnesselextrakt.

Siehe:

Brennnesselkur gegen Rheuma

Ein paar Brennesselblätter im Salat reichen also nicht.

„….regen den Stoffwechsel an,…“

Tönt gut, sagt aber nichts aus. Entscheidend im Stoffwechsel scheint, mit, dass die einzelnen Vorgänge fein aufeinander abgestimmt sind. Was muss ich mir also unter einer generellen Anregung des Stoffwechsels genau vorstellen. Werden alle Stoffwechselvorgänge aktiviert? Dann wird zum Beispiel in der Leber mehr Glykogen in Traubenzucker umgewandelt? Folglich dann aber auch mehr Insulin ausgeschüttet? Soll das gesund sein?

Regt den Stoffwechsel an – das immer dann eine gute Erklärung, wenn man keine Ahnung hat, was genau geschieht, oder ob überhaupt etwas geschieht.

„..wirken harntreibend…“

Einen milden harntreibenden Effekt scheint die Brennnessel zu haben, wobei vor allem Wasser weggeht. Sehr fraglich ist aber, ob das so generell empfohlen Sinn macht.

„….und reinigen das Blut.“

Wovon genau wird das Blut gereinigt?

„Auch Gichtschmerzen können damit gelindert werden.“

Na ja, bei (gesunden) Gänsen zeigte sich in einer Studie von 1940 eine Senkung der Blutharnsäurewerte infolge vermehrter Harnsäureausscheidung durch die Nieren. Zur Wirksamkeit bei Menschen mit Gicht fehlen meines Wissens gesicherte Erkenntnisse. Studien mit Brennnesselmus bzw. Brennnesselkapseln wurden zum Anwendungsbereich Arthrose und Arthritis gemacht.

„Für eine Kur zur allgemeinen Kräftigung, zur Entgiftung und Entschlackung des Organismus sollte drei Wochen lang dreimal täglich eine Tasse Brennnesseltee getrunken werden.“

Allgemeine Kräftigung? Alles im Körper wird unterschiedslos gekräftigt? Auch hier: Wer etwas weiss, kann konkret benennen, was gekräftigt wird. Wer nichts weiss, redet pauschal von „allgemeiner Kräftigung“.

Und selbstverständlich darf bei der Brennnessel nicht fehlen, dass sie „zur Entgiftung und Entschlackung des Organismus“ dient.

Wobei auch hier offen bleibt, welche Gifte und welche „Schlacken“ da ausgeschieden werden sollen.

Quelle der Zitate:

http://derstandard.at/1363711122225/Die-Wirkung-der-Fruehlingskraeuter

Der ganze Entschlackungs- und Entgiftungszirkus ist meiner Ansicht nach reine Fiktion. Damit will ich nichts gegen die Brennnessel gesagt haben. Sehr fragwürdig finde ich aber, wenn Wirkungen der Heilpflanzen mit solch hohlen Beschreibungen aufgeblasen werden.

Siehe dazu:

“Brennnesseltee entschlackt” und lässt “die Kilos purzeln”

Unsinnig und irreführend: Sidroga® Wellness- und Entschlackungstee

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Entgiften und Entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Entschlackung – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch