Jetzt geht’s aber ab – nachdem vor ein paar Tagen auf 3sat schon eine kritische Sendung zum Detox-Boom ausgestrahlt wurde, bringt heute die SonntagsZeitung (10. 2. 2019) einen Artikel zum Thema unter dem Titel „Detox-Kuren nützen nichts“.

Der Beitrag spricht zwei Punkte an, die in Diskussionen über Detox oft zu kurz kommen:

1. Die Frage nach den Giftstoffe

Zitat:

„Säftchen, Tees, Pülverchen: Oft ist gar nicht klar, gegen welche Giftstoffe die «Kuren» helfen sollen….

Entgiften, entschlacken, Detox. Wer seinem Körper etwas Gutes tun will, ist oft anfällig für die Versprechen von Anbietern solcher «Kuren». Diese wollen mithilfe von Säften, Tees, Pülverchen, Fasten oder Darmreinigungen den Schadstoffen im Körper den Garaus machen. Um welche Schadstoffe es dabei geht, ist aber nicht so ganz klar…..

Da kommerzielle Anbieter von Detox-Produkten aber kaum die Substanzen benennen, die es zu entgiften gilt, und auch nicht die Mechanismen aufzeigen, mit denen das gelingen soll, sei es schwer, die Behauptungen wissenschaftlich zu überprüfen, betonen Alice Klein und Hosen Kiat von der Macquarie University in Sydney.“

Fragt man präzis nach, welche Giftstoffe bei Detox- und Entgiftungskuren ausgeschieden werden sollen und über welche Vorgänge die angewandte Methode das bewerkstelligen soll, bekommt man bestenfalls nebulöse Antworten.

Fragt man präzis nach, um was für Substanzen es sich bei den „Schlacken“ im menschlichen Organismus handeln soll,  bleiben konkrete und plausible Antworten ebenfalls aus.

Begriffe wie „Giftstoffe“ und „Schlacken“ werden in diesem Zusammenhang als leere Worthülsen verwendet, die keine konkreten Informationen enthalten., aber offenbar eindrücklich klingen.

2. Die Frage nach der Darmflora

Entschlackungskuren enthalten oft Abführmittel. Die Vorstellung, dass man mit Abführmitteln „entschlacken“ kann, ist aber unsinnig. Zudem können Abführmittel unerwünschte Nebenwirkungen haben, unter anderem auf die Darmflora.

Zitat:

„Der Darm ist neben Leber und Niere ein wichtiges Entgiftungsorgan. Fraglich ist, ob die Organe dazu Hilfe von aussen benötigen. Wer beispielsweise orale Abführmittel einsetzt, um den Darm zu reinigen, verändert nicht nur die Anzahl der Darmkeime, sondern auch die Zusammensetzung der Darmflora, des Mikrobioms. Das fand ein europäisches Forscherteam heraus. Bei 23 gesunden Testpersonen bewirkte ein orales Abführmittel, dass die Anzahl der Darmmikroben um das 31-Fache abnahm, und bei jedem Fünften verschwand das spezifische Keimmuster der Darmflora. Es dauerte zwei Wochen, bis das Mikrobiom wieder aufgebaut war.“

Hier wäre es natürlich interessant zu erfahren, welche Art von Abführmittel in dieser Studie zur Anwendung kam.

Die ganze Detox-Idee basiert auf völlig überholten physiologischen Vorstellungen und am interessantesten ist dabei die eher psychologische Frage, weshalb solche Vorstellungen viele Menschen ansprechen. Die Vorstellung, sich innerlich „durchzuputzen“, scheint sehr attraktiv, auch wenn sie total irreal ist.

Siehe auch:

Detox ist Unsinn

Detox-Pflaster zur Entgiftung

Detox entschlankt nur den Geldbeutel

Detox – Fragwürdiger Trend mit Entgiftungkuren

Detox – Eingebildete Lösungen für nicht existierende Probleme