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Supermarkt Komplementärmedizin

Naturheilkunde-Debatte

Avatar-FotoMartin Koradi11.01.2011

Unter dem Titel „Welche Therapie darfs denn sein“ schreibt Kathrin Hafner im „Tages-Anzeiger“ über den Trend zu alternativen Behandlungsformen.

https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Welche-Therapie-darfs-denn-sein-/story/18054514

Zwar fehlt im Portrait des vorgestellten Naturheilpraktikers kritisches Nachfragen, doch stellt die Autorin darüber hinaus eine zentrale Frage, die im Umgang mit der Komplementärmedizin sonst in der Regel unter den Tisch fällt:

„Warum nimmt das Bedürfnis nach solchen Hilfsangeboten zu?“

Damit spricht sie gesellschaftspolitische Entwicklungen an, die dem Trend zur Komplementärmedizin zugrunde liegen könnten.

Und sie gibt dazu auch Antworten:

„ Grundsätzlich bewegen wir uns in einem Zeitalter des Hilfeholens. Wer Information braucht, googelt sich durchs Netz oder sucht in der Ratgeberflut. Ähnlich läufts bei körperlichem oder psychischem Unwohlsein: Man bittet nicht mehr die Grossmutter oder gegebenenfalls den Pfarrer um einen Tipp, man fragt den Experten. Nach dem Hype der Psychotherapie und -analyse verlagert sich die Suche nun auch in Richtung manueller und naturheilkundlicher Behandlungen.

Zudem hat sich die Definition des Sich-gesund-Fühlens verschoben: Wir sind nicht mehr «krank», sondern fühlen uns «nicht gesund». Diffuses Unbehagen motiviert zum Ausprobieren unterschiedlicher Therapien. Das muss nicht bedeuten, dass wir wehleidig oder esoterisch sind, es kann ebenso Ausdruck sein von besserem Gesundheitsbewusstsein, klarerer Selbsteinschätzung und offenem Geist.“

Insbesondere über folgenden Satz müsste man meines Erachtens vertieft nachdenken:

„Wir sind nicht mehr «krank», sondern fühlen uns «nicht gesund».

Ich bin gar nicht überzeugt davon, dass dieses „diffuse Unbehagen“ Ausdruck von besserem Gesundheitsbewusstsein, klarerer Selbsteinschätzung und offenem Geist ist. Uns wird auch von einer gut geölten PR-Maschinerie eingeredet, dass wir nicht wirklich gesund sind und ohne eine Vielzahl von Tröpfli, Chügeli und Vitamintabletten schon mit einem Bein im Grab stehen. Und es gibt durchaus eine ansehnliche Zahl von Menschen, die sich vor lauter Beschäftigung mit ihrer Gesundheit immer kränker fühlen, obwohl ihnen mutmasslich nichts Ernsthaftes fehlt.

Eine gründliche Auseinandersetzung über die Ursachen des Verlangens nach Komplementärmedizin wäre spannend und sinnvoll. Dass solche Aspekte thematisiert werden scheint mir ein positiver Punkt an diesem Beitrag des Tages-Anzeigers, wobei der Schlussabschnitt allerdings wieder Fragen aufwirft:

„ Letztlich kommen sich insofern Wellness- und Therapieangebote tatsächlich näher: Wir möchten uns Gutes tun, sei es präventiv, aus psychosozialen Motiven, wegen leichter oder gar ernsthafter Beschwerden.

Die Suche nach dem besseren Wohlergehen gestaltet sich freilich immer individueller, die Angebote dafür wachsen – auch und gerade im naturheilkundlichen und alternativ-/komplementärmedizinischen Bereich. Und das ist gut so.“

Beim letzten Satz: „Und das ist gut so“, fehlt mir die Begründung. Warum ist das gut so?

Weil die Vielfalt an Konsummöglichkeiten steigt? Ist mehr besser?

Ausserdem fehlt hier die Frage nach der Qualität. Eine Vermehrung der Methoden und Angebote rein quantitativ scheint mir nicht einfach fraglos „gut so“.

Zum Thema „Qualität“ tischt der Tages-Anzeiger in diesem Beitrag aber nur das weit verbreitete Märchen von der Qualitätssicherung in der Komplementärmedizin auf:

„ Dieser Trend zeigt sich anhand des Erfahrungsmedizinischen Registers (EMR). Das Qualitätslabel prüft Therapeuten und setzt sie auf eine Liste, die von rund 40 Krankenversicherern anerkannt wird – sprich: deren Kosten die Zusatzversicherung (teilweise) übernimmt.“

Dazu folgendes:

1. Die Bezeichnung „Erfahrungsmedizinisches Register“ tönt nach einer offiziellen Stelle. Im Wirklichkeit handelt es sich aber um eine Privatfirma, die niemandem Rechenschaft schuldig ist und keinerlei staatliche Vorgaben erfüllen muss.

2. Das EMR legt Mindestanforderungen fest bezüglich der Ausbildungsstunden, die ein Therapeut oder eine Therapeutin absolviert haben muss, damit die Zusatzversicherung die Therapie zahlt. Das ist positiv, weil dadurch verhindert wird, dass diejenigen, die schon nach ein paar Wochenendkursen eine Praxis aufmachen über die Zusatzversicherung abrechnen können.

3. Das EMR legt fest, dass Therapeutinnen und Therapeuten, die über Zusatzversicherung abrechnen wollen, eine Mindestzahl an medizinischen Ausbildungsstunden absolviert haben müssen. Auch dieser Punkt ist zu begrüssen. Allerdings zeigt mir langjährige Erfahrung in diesem Bereich, dass viele Heilerinnen und Heiler die „schulmedizinischen“ Ausbildungsstunden nur als notwendiges Übel hinter sich bringen, damit sie ihre Zulassung für die Zusatzversicherungen bekommen. Aber ihr wirkliches Interesse liegt natürlich in den komplementärmedizinischen Methoden. Das sind schlechte Voraussetzung dafür, dass medizinisches Wissen auch fundiert in die Behandlung einfliesst.

4. Die Inhalte der geforderten Ausbildungsstunden werden vom EMR nicht geprüft. Ob seriös und fundiert ist, was da vermittelt wird, ist für das EMR kein Kriterium. Und hier liegt der kritische Punkt. Wenn nur „Schrott“ vermittelt wird, spielt es keine Rolle, ob die „Ausbildung“ 20, 200 oder 2000 Stunden dauert. Von Mindestvorschriften profitieren in diesem Fällen nur die Ausbildungsinstitute, aber ganz sicher nicht die Patientinnen und Patienten.

5. Wenn Qualität rein formal und quantitativ an der Anzahl der Ausbildungsstunden festgemacht wird und nichts mit Inhalten zu tun hat, dann wird Qualitätssicherung zur Farce. Phytotherapie zum Beispiel ist kein geschützter Begriff mit klar festgelegten Inhalten. Unter diesem „Label“ können durchaus auch Hochrisiko-Heilungsphantasien segeln wie zum Beispiel die „Behandlung“ von Borreliose durch Kardentinktur

(siehe dazu: Karde & Borreliose-Therapie nach Storl).

Heilerinnen und Heiler, die solch gefährlichen Schrott gelernt haben, bekommen problemlos ein „EMR-Qualitätslabel“, solange Inhalte kein Kriterium sind.

Fazit:

Sobald man genauer hinschaut wird klar, dass das EMR eigentlich eher eine Quantitätskontrolle macht. Dabei ist aber anzufügen, dass eine wirkliche inhaltliche Qualitätskontrolle kaum möglich sein dürfte, wenn wissenschaftliche Kriterien abgelehnt werden.  Andere auch nur einiger massen objektive Qualitätskriterien sind nämlich meines Erachtens nicht in Sicht.

Unter diesen Umständen halte ich es aber für eine Täuschung der Öffentlichkeit, vom EMR als „Qualitätslabel“ zu schreiben und davon, dass das Erfahrungsmedizinische Register die Therapeuten „prüft“.

Ich bin nicht gegen die Arbeit, die das Erfahrungsmedizinische Register macht. Ich fordere nur, dass offen und transparent darüber informiert wird, was das EMR macht und was es nicht macht. Und ich halte es für sehr fragwürdig, in diesem Zusammenhang von Qualitätssicherung zu sprechen, solange die Qualität der Ausbildungsinhalte und der Therapie selber keine Rolle spielt.

Die Befürworterinnen und Befürworter des Verfassungsartikels zur Förderung der Komplementärmedizin haben versprochen, dass mit der Annahme dieser Vorlage eine Verbesserung der Qualitätssicherung verbunden sei, weil der Bund ein entsprechende Berufbild ausarbeite. Sie haben aber nicht gesagt, wie sie sich die Qualitätssicherung genau vorstellen. Zu befürchten ist, dass wieder nur Stunden zusammengezählt werden, und die inhaltliche Qualitätssicherung unter den Tisch gewischt wird. Dann bleibt die Täuschung der Konsumentinnen und Konsumenten erhalten und der einzige „Fortschritt“ besteht darin, dass dafür neu der Staat zuständig sein wird.

Siehe dazu: Komplementärmedizin: Fragwürdige Versprechen zur Qualitaetssicherung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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