Ein naturnaher Garten erhöht die Artenvielfalt und hält Schädlinge in Schach.

Amsel, Drossel, Fink und Star – diese Vogelarten aus dem alten Kinderlied und zahlreiche andere Vögel sind im Garten nicht mehr so häufig anzutreffen. Die Gründe dafür: In vielen Gärten gibt es heute nur noch kurz gestutzte Zierrasen und statt heimischer setzen viele Hobbygärtner auf hochgezüchtete exotischen Pflanzen. Dadurch mangelt es schlichtweg an Insekten, die wiederum Vögeln als wichtige Nahrungsquelle dienen. In diesen ordentlich gehaltenen Gärten fehlen solche Leckerbissen.

Meisenknödel und Futterhäuschen als Notnahrung im Winter reichen alleine nicht. Auch in den wärmeren Jahreszeiten brauchen die gefiederten Sänger Nahrungsangebote, Versteckmöglichkeiten und Nistplätze. Mit einfachen Methoden kann aber jeder für eine größere Artenvielfalt vor der eigenen Haustür zu sorgen.

Als Faustregel kann gelten: Je mehr einheimische Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon gedeihen, desto mehr Tiere werden dadurch angelockt. Einen idealen Lebensraum vor allem heimische blüten- und früchtetragende Sträucher sowie Wildstauden. Der Weißdorn trage beispielsweise schöne weiße Blüten mit viel Nektar, erklärt der Zoologe Julian Heiermann vom Naturschutzverband Nabu.

Neben dem Weißdorn nutzen viele Insekten und Vögel unter anderem auch die früchtetragende Schlehe (Schwarzdorn), die Pfirsichglockenblume und die Moschusmalve. Die hier lebenden Tiere haben sich im Laufe der Zeit auf heimische Pflanzen spezialisiert und können deshalb nur bestimmte Nahrung verarbeiten. Die meisten hochgezüchteten Pflanzen, wie zum Beispiel Kirschlorbeer, Thuja-Hecken und gefüllte Blüten – darunter auch Dahlien und Petunien – sind für die heimische Tierwelt deshalb eher von geringem Nutzen.

Es gibt aber auch einige wenige nicht-heimische Pflanzen, auf die Insekten gerne fliegen. Lavendel sei beispielsweise eine wichtige Nektarquelle für Bienen, sagt Heiermann. Und der Lavendel könne auch gut, in einen Kübel auf dem Balkon gepflanzt werden. Für den Balkon eignen sich auch Margeriten, Flockenblumen, heimische Nelkenarten und die Schafsgarbe. Ein weiterer Blickfang, sowohl für den Garten, als auch den Balkon, sei die Hundsrose. Heuermann: „Sie dient nicht nur Vögeln dank ihrer Früchte als Nahrungsquelle, sondern trägt auch schön anzusehende Blüten, die Insekten anziehen.“

Insekten stehen ganz weit oben auf der Speisekarte der Vögel. Wer viele verschiedene Vogelarten im Garten oder auf dem Balkon beobachten möchte, sollte für einen insektenfreundlichen Lebensraum sorgen. Denn Insekten sind eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel.

Viele Menschen hätten allerdings ein eher schwieriges Verhältnis zu Insekten, erklärt die Biologin Rebecca Lay. Alles, was nicht flauschig sei oder schöne Flügel habe, werde von diesem Menschen als gruselig empfunden.  Dabei seien Insekten ein essentieller Bestandteil für eine funktionierende Natur. Weil die Artenvielfalt in einem naturnahen Garten viel größer sei, hätten zudem auch ungebetene Gäste wie Blattläuse und Mücken viel mehr natürliche Feinde und würden zum Beispiel von Fledermäusen gefressen, sagt der Zoologe Heiermann.

Hauptsächlich seltener gewordene Vögel und Insekten brauchen zusätzliche Anlaufstellen im Garten oder auf dem Balkon. Der Trauerschnäpper sei zum Beispiel in naturnah belassenen Gärten anzutreffen, wo ihm auch Baumhöhlen Unterschlupf bieten. Der farbenfrohe Stieglitz sei ebenfalls häufiger zu sehen, wenn auch Stauden vorhanden sind. Die Disteln der Stauden sollten nach der Blüte nicht abgeschnitten werden, denn der Stieglitz (Distelfink) frisst vor allem die darin enthaltenen Samen.

Wer Schmetterlinge gern hat, sollte neben dem Weißdorn auch Birken als geeignete Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen pflanzen, rät Heiermann. Das Tagpfauenauge sei bei vielen besonders beliebt, sagt Rebecca Lay, doch diesen Schmetterling könne man nur beobachten, wenn auch Brennnesseln im Garten sind, von denen sich die Raupen ernähren.

Ebenfalls stark bedroht sind die meisten Wildbienenarten, von denen 555 verschiedene Arten existieren. Allerdings schrumpft auch der Lebensraum der Wildbienen mehr und mehr. Das liegt einerseits an den zu aufgeräumten Gärten und andererseits an den Pestiziden, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Zur Unterstützung der Wildbienen empfehlen die Experten „Insektenhotels“ aufzustellen, zum Beispiel aus Baumscheiben oder Backsteinen.

Um Vögel und Insekten in den Garten zu locken, müssen Gartenbesitzer aber nicht den gesamten Garten zuwuchern zu lassen. Es genüge, wenn wilde Ecken eingerichtet werden. So können zum Beispiel an einer Stelle Wildblumen ausgesät, sowie Holzstapel oder Reisighaufen angelegt werden. Die sich darin ausbreitenden dicken Larven sind ein wahrer Leckerbissen für viele Vogel.

Quelle:

http://www.fr-online.de/ratgeber/artenvielfalt-im-garten-foerdern/-/1472794/8668458/-/

Kommentar & Ergänzung:

Anleitungen zum Bau eines „Insektenhotels“ finden Sie im Buch von Wolf R. Günzel:

„Das Insektenhotel, Naturschutz erleben. Bauanleitungen – Tierporträts – Gartentipps“

Das Buch stellt 13 Bauprojekte vor, die sich mit Hilfe von Bauanleitungen leicht umsetzen lassen. Für jeden Garten gibt es die passende Lösung: Einfache Nisthilfen, die solo zum Einsatz kommen oder nach Art eines Baukastensystems ein Insektenhotel füllen, und verschiedene Nistkästen für Hummeln, Hornissen, Florfliegen und Marienkäfer. Pflanzenlisten und praktische Tipps, wie sich im Garten und auf dem Balkon ein insektenfreundliches Umfeld gestalten lässt, ergänzen die Bauvorhaben. Tierporträts vermitteln Einblicke in die Welt der Hotelbewohner.

Den meisten Menschen ist völlig unbekannt, dass es in der Schweiz über 600 Wildbienenarten gibt, die keine Staaten bilden, sondern einzeln leben. Sie legen ihre Eier zum Beispiel in hohle Pflanzenstängel, in leere Schneckenhäuschen oder in Brutgänge in der Erde. Wolf Richard Günzel gibt genaue Bauanleitungen für „Insektenhotels“, das heisst: zusammengebundene hohle Halme, Holzblöcke mit Bohrlöchern.

Im übrigen freut es mich, dass im Artikel auf fr-online auch der Weissdorn erwähnt wird. Weissdorn gehört zu den für die Tierwelt wertvollsten einheimischen Sträuchern. Allerdings sollte man im Auge behalten, dass er auch den Feuerbrand übertragen kann, eine für Obstbäume gefährliche Pflanzenkrankheit.

In der Phytotherapie ist der Weissdorn die wichtigste Heilpflanze für das Herz, zum Beispiel bei leichteren Formen von Herzinsuffizienz (Herzschwäche).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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