Mit Sport und körperlicher Aktivität lässt sich die verbreitete Erkrankung Diabetes lindern, da damit die Produktion von Insulin gesteigert wird. Eine Forschungsgruppe der Universität Basel ist nun auf den hormonellen Regelkreis gestossen, der für diesen Mechanismus verantwortlich ist. Ihre Resultate werden im renommierten Wissenschaftsmagazin «Nature Medicine» veröffentlicht.

Diabetes betrifft heute weltweit 366 Mio. Menschen. Alle sieben Sekunden stirbt ein Patient an Diabetes, jährlich sind es 4,6 Mio. Menschen.

Diabetes wird ausgelöst durch eine fortschreitende Abnahme der Insulinproduktion im Körper, die, wenn der Patient übergewichtig ist, wegen des erhöhten Bedarfs nicht mehr genügt. Bereits seit längerem ist bekannt, dass körperliche Aktivität den Diabetes Typ 2, die häufigste Diabetes-Form, vorbeugen und therapieren kann. Wie genau diese günstige Wirkung zustande kommt, konnte jetzt erstmals durch die Forschungsgruppe um Prof. Marc Donath von Universität und Universitätsspital Basel beschrieben werden.

Der arbeitende Muskel stellt ein Molekül namens Interleukin-6 (IL-6) her, dessen Bedeutung bisher jedoch unklar war. Bekannt ist daneben, dass die L-Zellen im Darm ein Hormon herstellen, das sogenannte Glucagon-like-Peptid-1 (GLP-1). Dieses GLP-1 wird durch Mahlzeiten über den Darm angeregt und stimuliert die Insulinproduktion.

Die Basler Forschungsgruppe konnte nun zeigen, dass auch der Muskel selber direkt das GLP-1 anregt, und zwar über IL-6. Zudem konnte aufgezeigt werden, dass das IL-6 in den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse auch andere Zellen reprogrammiert, nämlich die α-Zellen. Diese stellen dabei von der Produktion von Glucagon, das den Blutzucker steigert, auf die Produktion von GLP-1 um – was wiederum bewirkt, dass die benachbarten β-Zellen vermehrt Insulin herstelltn. Bei körperlicher Aktivität wird damit über den IL-6-GLP-1-Hormonkreislauf mehr Insulin produziert, sodass der Blutzucker sinkt und der Verlauf des Diabetes positiv beeinflusst wird.

Interessanterweise produziert bei übergewichtigen Personen das Fettgewebe ebenfalls IL-6, und zwar ebenfalls mit dem Ziel, die Insulinproduktion zu steigern, um den erhöhten Bedarf zu decken. Bei gewissen Patienten genügt dies jedoch nicht, und es kommt zu Diabetes. In diesen Fällen kann körperliche Aktivität die IL6-Produktion aus dem Muskel unterstützen und dadurch dem Diabetes vorbeugen oder ihn lindern, wenn die Erkrankung schon vorliegt.

Der neu entdeckte hormonelle Regelkreis eröffnet verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für Diabetes, wie die Wissenschaftler berichten. So können gezielt Sportinterventionen geplant werden, damit es bei den Diabetes-Patienten zu einer möglichst hohen Produktion von IL-6 kommt. Weiter lassen sich Medikamente einsetzen, die den Abbau vom GLP-1 hemmen, sogenannte DPP-IV-Inhibitoren. Kombiniert man diese Medikamente mit körperlicher Aktivität, ist ein verbesserter Behandlungserfolg zu erwarten. Diese Hypothese wird derzeit am Universitätsspital Basel in einer klinischen Studie bei Übergewichtigen und Diabetikern getestet.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=35707

Originalbeitrag

Helga Ellingsgaard, Irina Hauselmann, Beat Schuler, Abdella M Habib, Laurie L Baggio, Daniel T Meier, Elisabeth Eppler, Karim Bouzakri, Stephan Wueest, Yannick D Muller, Ann Maria Kruse Hansen, Manfred Reinecke, Daniel Konrad, Max Gassmann, Frank Reimann, Philippe A Halban, Jesper Gromada, Daniel J Drucker, Fiona M Gribble, Jan A Ehses & Marc Y Donath

Interleukin-6 enhances insulin secretion by increasing glucagon-like peptide-1 secretion from L cells and alpha cells

Nature Medecine, published online october 30, 2011; doi: 10.1038/nm.2513

http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/abs/nm.2513.html – Abstract

Kommentar & Ergänzung:

Die Phytotherapie hat beim Thema Diabetes bisher keine wirklich überzeugenden Heilpflanzen-Anwendungen anzubieten.

Sowohl bei der Bittermelone / Bittergurke als auch beim Zimt sind noch sehr viele Fragen offen.

Siehe:

Phytotherapie bei Diabetes Typ 2

Pflanzenheilkunde: Zimt gegen Diabetes kontovers beurteilt

Bittermelone / Bittergurke gegen Diabetes?

Bittergurken wirksam gegen Diabetes?

Immerhin kann man aber sagen, dass mit „Bewegung“ und „Ernährung“ zwei wichtige Säulen der Naturheilkunde in der Diabetes-Therapie eine wichtige Rolle spielen.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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