Im Magazin «frei-denken» (Nr. 4/2029) hat Prof. Stephan Russ-Mohl einen informativen Artikel publiziert mit dem Titel «Ruf nach mehr Bullshit-Erkennungskompetenz». Der Text befasst sich mit der Desinformationsflut in Medien, Suchmaschinen und sozialen Netzwerken, die stark von der Digitalisierung geprägt ist.

Hier daraus ein Zitat:

«Es muss sich….für viele Akteure wirtschaftlich oder machtpolitisch lohnen, durch Falschmeldungen Aufmerksamkeit zu erzielen und Einfluss zu gewinnen – und zwar so massiv, dass Wahrheitsfindungsversuche von Journalisten und Wissenschaftlern ins Hintertreffen geraten….Im Zuge der Digitalisierung haben sich Suchmaschinen und soziale Netzwerke in atemberaubendem Tempo ausgebreitet. Facebook, YouTube, Instagram und andere Plattformen behandeln ”Content” erst einmal trotz gegenteiliger Beteuerungen gleich – egal ob er stimmt oder nicht. Hauptsache, er erzielt Klicks und hilft, im Beipack Werbebotschaften zu lancieren. So beraubten die Tech-Giganten herkömmliche Medienunternehmen ihrer lukrativsten Erlösquelle, der Werbeeinnahmen, weil sie die Zielgruppen der Werbetreibenden mit deutlich geringeren Streuverlusten erreichen können.

Mit den sozialen Netzwerken und Suchmaschinen konnten sich Falschnachrichten auch im Journalismus viral verbreiten. Donald Trump betreibt über Twitter ohne Rücksicht auf Kollateralschäden Direktkommunikation mit seiner riesigen Gefolgschaft und zwingt die etablierten Medien, seine Botschaften aufzugreifen. Sein ”Erfolgsmodell”politischer Kommunikation findet inzwischen weltweit Nachahmer. Es sind indes nicht nur Populisten, die die Möglichkeiten nutzen, sogenannte ”alternative Fakten“ zu setzen. Auch autoritäre Regimes, allen voran der Kreml, schleusen raffiniert Desinformation in die Medien ein, die oftmals kaum als Propaganda erkennbar ist. Sie unterhöhlen so westliche Demokratien, indem sie Unfrieden säen und Politikverdrossenheit schüren. Zu Hilfe kommen ihnen dabei Text-Roboter, sogenannte Social Bots. Sie können in sozialen Netzwerken bestimmte Meldungen “pushen“ und ihre eigenen Kurztexte und Kommentare tausendfach variieren.»

Stephan Russ-Mohl lehrte bis 2018 als Professor für Journalistik und Medienmanagement an der Universita della Svizzera italiana in Lugano. Er ist Gründer des European Journalism Observatory und Autor des Buches «Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde. Warum die Digitalisierung unsere Demokratie gefährdet».

Quelle:

https://frei-denken.ch/news/2019-11-29/ruf-nach-mehr-bullshit-erkennungskompetenz

Kommentar & Ergänzung:

Stephan Russ-Mohl spricht in diesem Zitat und in seinem Buch ein brisantes und wichtiges Thema an, das dringend mehr Aufmerksamkeit braucht.

Das informative Buch «Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde. Warum die Digitalisierung unsere Demokratie gefährdet» von Stephan Russ-Mohl stelle ich in meinem Buchshop genauer vor. Dort können Sie es sich auch via buchhaus.ch bestellen.

 

Weitere Bücher, die zum Thema des Beitrags passen:

Buchtipp: „Bullshit-Resistenz“ von Philipp Hübl

Buchtipp: „Change the Game – Wie wir uns das Netz von Facebook und Google zurückerobern,“ von Corinna Milborn, Markus Breitenecker

Buchtipp: „Putins verdeckter Krieg “, von Boris Reitschuster

Meine eigenen Texte zum Thema:

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