In Deutschland ist eine Debatte entbrannt um den Heilpraktiker-Beruf. Kritisiert werden vor allem gravierende Mängel in der Ausbildung und in verschiedenen Stellungnahmen wird eine Abschaffung des Heilpraktiker-Berufs gefordert.

In diesem Zusammenhang veröffentlichte das Magazin „Focus“ einen Artikel mit einem drastischen Beispiel:

„Vor drei Monaten kam eine junge Mutter in die Münchner Praxis des Endokrinologen Harald Schneider. Der Arzt, der für Drüsen zuständig ist, erschrak, als er die Schilddrüse der jungen Frau untersuchte. Darin hatte sich ein sieben Zentimeter großer sogenannter kalter Knoten gebildet. Er empfahl ihr, sich schnell operieren zu lassen.

Dann, vor wenigen Tagen, kam die junge Mutter erneut in die Arztpraxis. Der Knoten war noch weiter gewachsen, mittlerweile auch die Lymphknoten. Sie hatte sich nicht operieren lassen.

Der Grund: Ein Heilpraktiker hatte ihr gesagt, die Ursache des Knotens liege allein in ihrer Einstellung.“

Im weiteren Verlauf des Artikels fordert der Endokrinologe, dass Heilpraktiker kein anerkannter Beruf mehr sein sollte und Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker auch nicht mehr als Leistungserbringer unseres Gesundheitssystem anerkannt werden.

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/arzt-klinik/panorama-muenchner-arzt-heilpraktiker-sollte-kein-anerkannter-beruf-mehr-sein_id_10275904.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Leider ist der geschilderte Fall kein Einzelfall eines seltenen Irrläufers. Meiner Erfahrung nach agieren viele Naturheilpraktikerinnen und Naturheilpraktiker (so heisst das bei uns in der Schweiz) mit ausserordentlich spekulativen Theorien und Methoden, die für kranke Menschen medizinisch und psychologisch schädlich bis gefährlich sein können, ganz abgesehen vom Verlust an Zeit und Geld. Sicher – es sind nicht alle so. Aber das Problem ist verbreitet und gravierend.

In dieser „Szene“, in der es immerhin um die Behandlung von zum Teil ernsthaft kranken Menschen geht, existiert keine Qualitässicherung, die auch nur ansatzweise diesen Namen verdient. Daran ändern auch die eidgenössischen Diplome nichts, die inzwischen vergeben werden. Wir haben es hier mit einer Pseudoqualitätssicherung zu tun, die so tut, als würde sie Qualität sichern.

Fragwürdige Ausbildungen und Schwachpunkte in den eingesetzten Methoden sind dabei nur ein Teil des Problems. Ein noch grösseres Risiko ist meines Erachtens damit verbunden, dass ein nicht kleiner Teil der Naturheilpraktiker und Naturheilpraktikerinnen ihre Grenzen nicht erkennen und Behandlungen für Krankheiten anbieten, für die ihnen vollkommen die Basis fehlt. An diesem Punkt geht von solchen Behandlerinnen und Behandlern eine reale Gefahr aus.

Dieses Malaise wird sich nicht so schnell zum Besseren wenden, weil das Lobbying der entsprechenden Verbände griffige politische Massnahmen abwehrt.

Patientinnen und Patienten kann man nur raten, bei ernsthaften Erkrankungen nicht allein auf Naturheilpraktik zu setzen sondern in Kontakt zu bleiben mit einem kompetenten Hausarzt oder einer kompetenten Hausärztin.

Und das wichtigste: Nicht alles glauben, was in der Naturheilpraxis erzählt und empfohlen wird, kritisch überprüfen, andere Stellungnahmen einbeziehen…..

(das soll und darf man natürlich auch gegenüber der Medizin….)

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